Islam in Deutschland
- Derzeit leben in Deutschland mehr als drei Millionen Muslime
(rund 4% der Bevölkerung), damit sind sie nach den Katholiken und den
Protestanten (mit jeweils knapp 30% der Bevölkerung) die
drittgrößte Glaubensgemeinschaft.
(Die viertgrößte sind die orthodoxen Kirchen in Deutschland)
- Dieser Anteil wird in den kommenden Jahren steigen: die
muslimische Bevölkerung ist überdurchschnittlich jung, die
Familien haben im Durchschnitt mehr Mitglieder (wesentlich höhere
Geburtenrate als bei Deutschen), und die Einwanderung von Muslimen
nimmt zu.
- Die in Deutschland lebenden Muslime kommen aus etwa 40 Nationen.
75-80% der Muslime stammen aus der Türkei, aus den Ländern
Nordafrikas cirka 200.000, aus dem Iran rund 100.000, etwa ebenso
viele aus dem ehemaligen Jugoslawien. Gut 300.000 sollen einen
deutschen Pass haben.
- Von den drei Millionen Muslimen in Deutschland sind etwa 2,3
Millionen Sunniten, rund 500.000 Aleviten (ca. 20% der Türken in
Deutschland) und 120.000 Schiiten (vgl. die Seite
»Glaubensrichtungen
im Islam«).
- Allerdings sehen sich nur rund 70% der Muslime in Deutschland
als »praktizierende Muslime«, nur etwa 12% besuchen (für
Sunniten wie Schiiten pflichtgemäß) die Moschee, Korankurse
belegen nur 7% der Jugendlichen. Der Anteil der Muslime, die den
Islam tatsächlich leben, dürfte noch etwas geringer sein (vgl.
die Seite »Glaubensrichtungen« / »Volksislam«).
- Die Zahlenangaben über zum Islam übergetretene Muslime
schwanken zwischen 10.000 und 90.000 (letztere Zahl Schätzung
des Sprechers der deutschsprachigen Muslime, Mohammed
Herzog, Berlin). Jährlich kommen zur Zeit etwa 250-300 hinzu.
- In Deutschland gibt es zur Zeit etwa 2200 Räume und Häuser, die
als Moschee genutzt werden. Dazu kommen fast 70
Moschee-Neubauten.
- Die Moscheen werden von unterschiedlichen islamischen
Organisationen unterhalten, was sich auf die Inhalte der Arbeit
dieser islamischen Zentren prägend auswirkt.
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Islamische und islamistische Organisationen in Deutschland
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Begriffsklärung:
- »islamisch« bedeutet: dem Islam gemäß und wird zur
Kennzeichnung vorwiegend religiöser Inhalte verwendet.
- Das Attribut »islamistisch« wird für Inhalte verwendet,
die offen oder verdeckt in erheblichen Maße politische Absichten
mit dem Islam verbinden und den Islam für politische Zwecke
instrumentalisieren.
- Hintergrund des modernen Islamismus ist die 1929 von Hassan Al
Banna in Ägypten gegründete Muslimbruderschaft, die eine eigene
Ideologie entwickelte. Türkisch-islamistische Organisationen sind
zwar durch andere Faktoren geprägt worden als die arabische
Muslimbruderschaft, stimmen aber in ihren Zielen weitgehend
überein.
- Der Islamismus setzt sich dafür ein, dass alle Macht und Gewalt
in islamischer Hand liegt (»Theokratie«). Er kämpft für die
Einheit von Religion und Staat (Grundsatz »Din wa Daula« -
»Glaube und Reich«) mit der Scharia als Staatsgesetz und
vertritt ein äußerst konservatives Islam-Verständnis.
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Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB)
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- Das türkische »Amt für religiöse Angelegenheiten (Diyanet)«
unterhält in Deutschland eine Auslandsorganisation, die DITIB, ca.
150.000 eingetragene Mitglieder.
- Alle hier aufgeführten Mitgliederzahlen sind ungefähre
Angaben, da verlässliche Informationen sehr schwer zu
erhalten sind.
- Außerdem ist oft nur der Familienvorstand eingetragen, womit
dann die gesamte Familie Mitglied ist.
- Entsprechend dem offiziellen türkischen Prinzip des Laizismus
(Trennung von Religion und Staat) ist die Organisation nicht
islamistisch, sondern i.d.R. pro-demokratisch; sie verfolgt
religiöse Angelegenheiten, betreut Muslime geistlich und unterhält
die Mehrzahl der Moscheen in Deutschland.
- Die in den Moscheen wirkenden »Hodschas« (Vorbeter und Prediger)
werden jeweils für einige Jahre vom türkischen Staat aus nach
Deutschland geschickt, sie unterstehen dem türkischen Konsulat.
- Die DITIB und ihre Moscheen werden von den nachgenannten
Organisationen meist nicht akzeptiert.
Alle anderen Verbände (die übrigens alle Moscheen unterhalten),
haben sich mit dem Laizismus nicht abgefunden und arbeiten mehr oder
weniger stark an einer Reislamisierung der türkischen Gesellschaft –
und oft auch darüber hinaus: sie sind i.d.R. als islamistisch zu
bezeichnen.
- Nicht selten sind die nachgenannten Vereinigungen offen oder
verdeckt anti-demokratisch und anti-semitisch, lehren meist
Feindschaft gegen den »Westen« (der ihnen Religionsfreiheit
gewährt), und arbeiten oft konspirativ. Darum werden sie auch vom
Verfassungsschutz beobachtet.
- Dennoch sind manche der nachgenannten Organisationen durchaus
»dialogbereit«, lassen sich gern zu Veranstaltungen einladen, und
täuschen dabei die Öffentlichkeit über ihre islamistischen Ziele.
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Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e.V. (IGMG)
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- Zweitgrößte islamische Organisation in Deutschland, größte
islamistische. Vorgängerorganisationen: Türkische Union Europa,
Islamische Union Europa, Vereinigung der neuen Weltsicht e.V. (AMGT),
seit 1995 IGMG (Islam Toplumu Milli Görüs = islamisch-nationale neue
Weltsicht). In Deutschland 27.000 eingetragene Mitglieder.
- Milli Görüs operiert international und kooperiert mit vielen
islamistischen Organisationen. Der Verfassungsschutz berichtet
außerdem von Kontakten zur multinationalen
Muslimbruderschaft [MB], zur algerischen Islamischen Heilsfront [FIS],
zur palästinensischen Hamas, und von taktischen Verbindungen zur
Scientology-Organisation (die Seminare in der IGMG-Zentrale
durchführte).
- Mutterorganisation: die türkisch-islamistische Fazilet Partei (FP,
»Tugendpartei«), eine Nachfolgepartei der in der Türkei verbotenen
Refah-Partei (»Wohlfahrtspartei«), Vorsitzender jeweils Necmettin Erbakan, der die
Organisationen maßgeblich beeinflusst.
- Islamistische Ziele (damit anti-demokratisch), will für Muslime auf
der Scharia basierende Rechte durchsetzen (betont dabei die Pflichten,
»Gruppenzwang«) und Muslimen in Deutschland ein neues Selbstwert-
und Überlegenheitsgefühl gegenüber dem als dekadent empfundenen
Westen vermitteln (schürt Feindbild gegen den »Westen«), ist gegen
Integration (arbeitet zur Zeit eher an »Parallelgesellschaft«,
langfristig an Einheit von Staat und Islam), ist antisemitisch
orientiert, ist missionarisch ausgerichtet. Vom Verfassungsschutz und
Innenminister als verfassungsfeindlich eingestuft.
- Streng hierarchisch organisiert und kontrolliert (z.B. gibt es viele
Handlungsanweisungen für Mitarbeiter oder für missionarische
Hausgespräche) arbeitet teilweise konspirativ, sehr vermögend: der
Immobilienbesitz wird auf über 50 Mio. Euro geschätzt.
- Vielfältige Aktivitäten: in Europa unterhält sie über 2.000
religiöse, kulturelle und soziale Einrichtungen (Moscheen, Jugend-,
Studenten- und Frauengruppen), in Deutschland Hunderte Ortsvereine.
Angebote für alle Zielgruppen und alle Lebensbereiche, intensive
Bildungsarbeit, große Kongresse, Jugend- Studenten- und Kulturtage,
Tageszeitung »Milli Gazette«, Monatsschrift »Milli Görüs &
Perspektive«, Fernsehsender »Kanal 7«, Internet-Aktivitäten,
Vorbereitungen für Rundfunksender, Publizistik.
- Zu IGMG gehören Medien- und andere Wirtschaftsunternehmen und viele
politische und gesellschaftliche Gruppierungen, die oft ihre
Verbindung zur Milli Görüs verschleiern (z.B. Islamische Förderation,
Islamkolleg, Zentrums für islamische Frauenforschung und -förderung,
Institut für internationale Pädagogik und Didaktik). Auch die Milli
Görüs Moscheen haben oft eigenständige Namen (etwa der Mevlana
Moschee e.V. in Berlin, der einen Regionalverband der Milli Görüs
darstellt). Von der IGMG ist auch das »Zentralinstitut Islam-Archiv
Deutschland e.V.« beeinflusst.
- In der Öffentlichkeit treten Milli Görüs Vertreter oft sehr
moderat (taktisch) auf und bemühen sich, ihren extremistischen
Hintergrund und die Verflechtung vieler Organisationen mit ihr zu
verschleiern, um sich frei entfalten zu können. Sie werten Kritik an
ihrer Organisation meist als Angriff auf den Islam. Kritiker
werden zuweilen als »intolerant«, »fundamentalistisch«, »nicht
dialogbereit« usw. bezeichnet.
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Verband der islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ)
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- Wird von Anhängern der Süleymanci-Bewegung, einem traditionellen
religiösen Orden aus der Türkei, geführt. Islamistisch.
- Widmet sich stark der religiösen Bildung der muslimischen Kinder
und Jugendlichen (Koranunterweisung) und strebt einen vom Staat
unabhängigen Islam-Unterricht an den Schulen an.
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»Der Kalifatsstaat« (Hilafet Devleti), sog. Kaplan-Verband
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- Vormals: Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB).
Er ist eine Abspaltung von der Milli Görüs, verfolgt islamistische
Ziele, ruft offen zur Gewalt auf, ist antisemitisch, lehnt sich stark
an konservative Kräfte im Iran an, propagiert den Sturz des
türkischen Staates.
- Streng hierarchisch gegliedert, Anhänger werden auf den unbedingten
Gehorsam gegenüber ihren Führern eingeschworen (etwa 1200
Anhänger).
- Führer ist der selbsternannte »Kalif Metin Kaplan«, der als
»heldenhafter Glaubenskämpfer« verehrt wird, und zur Zeit wegen
Aufrufs zu einer Straftat einsitzt. Er hatte zum Mord an einem Rivalen
aufgerufen, der daraufhin tatsächlich ermordet wurde.
- Vermögen in Millionenhöhe, Wochenzeitung »Ümmet-I Muhammed«
(Die Gemeinde Mohammeds), Fernsehsendungen, Internet-Aktivitäten.
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Föderation der Aleviten Gemeinden in Europa e.V. (AABF)
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- Ist Dachverband alevitisch-bektaschitischer Vereine. Die AABF
dokumentiert die religiöse Eigenständigkeit der Aleviten, die sich
von der sunnitischen Majorität nicht länger ignorieren oder
vereinnahmen lassen wollen. Insbesondere wird der orthodox-sunnitische
Einfluss auf die Erziehung Jugendlicher abgelehnt.
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Islamische Dachorganisationen
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| Die nachgenannten Dachverbände wurden mit dem
Ziel gegründet, nach außen gemeinsame Vertretungen islamischer Vereine
zu schaffen, um ihr gesellschaftliches Gewicht und ihren Einfluss zu
erhöhen. Zu diesem Zweck wird die Verleihung von Körperschaftsrechten (K.d.ö.R.,
analog zu den Kirchen) angestrebt. Damit wird die Religionsfreiheit in
Deutschland für islamistische Zwecke genutzt, wogegen die Organisationen
mehrheitlich Religionsfreiheit in ihren Herkunftsländern ablehnen. Von
laizistischen Muslimen (die die angestrebte Einheit von Religion und
Staat) ablehnen, werden auch der Islamrat und der Zentralrat der Muslime
abgelehnt. |
Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland
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- Zunächst vom Verband der islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ)
dominiert. Nach dessen Ausscheiden aus dem Islamrat 1988 von der Milli
Görüs dominiert, die seitdem die Majorität in den Führungsgremien
hält. Damit erheblicher islamistischer Einfluss. Auch kleinere nicht
extremistische Organisationen gehören dem Islamrat an. Bezeichnet
sich als »größter Spitzenverband der Muslime in Deutschland«.
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Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD)
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- Gut 20 Mitgliedsverbände. Viele Verbindungen nach Saudi-Arabien und
anderen islamischen Ländern, die den ZMD mit finanzieren. Größter
Mitgliedsverband ist der Verband der islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ).
Neben anderen islamistischen Organisationen gehört dem ZMD auch die
islamistische multinationale Muslimbruderschaft (MB) an, die z.Zt.
auch den Sprecher des ZMD stellt.
- Weiter gehören dem Zentralrat der Muslime viele »Islamische
Zentren« an, die von zum Islam übergetretenen Deutschen aufgebaut
werden. Sie werden sehr stark von Saudi-Arabien unterstützt, einem
Land, das stark islamisch-fundamentalistisch geprägt ist und damit
Religionsfreiheit strikt ablehnt.
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